Große Vinaria Verkostung: Aus dem überzeugenden Jahrgang 2019 haben auch die preisgünstigen Rotweine alle Vorschusslorbeeren gerechtfertigt.

Tatsächlich erbrachte das fünfte gute Rotweinjahr in unmittelbarer Folge zahlreiche ansprechende Tropfen. Aufgrund der großen Bandbreite sollte für jeden Gaumen das Passende bereitstehen.

Die absolute Spitze der preiswerten Rotweinkategorie ist noch homogener und überzeugender als im Jahrgang 2018 ausgefallen. Was Reife und schieres Volumen betrifft, erreicht der Jahrgang zwar nicht ganz die Höchstwerte von 2015 und 2017, dafür lassen seine Eleganz und die rassige Säure manchmal Reminiszenzen an die besten 2016er zu.

Gesamt betrachtet ist der Jahrgang allerdings weit besser gelungen, als dies 2016 der Fall war. In den klimatisch bevorzugten Anbaugebieten des Burgenlandes und von Rebsorten wie Merlot wurden dabei Alkoholwerte erreicht, die eigentlich das obere Limit darstellen sollten.

Zugelassen zur großen Vinaria Verkostung waren Rotweine bis zu einem Ab-Hof-Preis von 12 Euro aus dem Jahrgang 2019. Die Weine wurden in mehreren Vorverkostungen und einem Finale gedeckt verkostet.

Zweigelt im Vormarsch

Der Aufwärtstrend des Zweigelt ist ungebrochen; auch haben sich die qualitativen Fortschritte der diversen Zweigelt-Interpretationen weiter fortgesetzt. Nicht nur der Gesamtsieger der Verkostung, der punkto Eleganz und Strahlkraft alles übertreffende Rubin Carnuntum von Philipp Grassl, sondern auch zahlreiche weitere Gewächse belegen diese Tendenz.

Dabei haben nicht nur Weine aus den bekannten Hochburgen Carnuntum und der DAC Neusiedlersee brilliert, sondern auch Weinviertler Gewächse, beispielsweise die hochelegante Haugsdorfer Freiheit von Norbert Bauer oder aus dem Kamptal der ausgereifte und fruchtsüße Zweigelt von Norbert Rosner und am Fuße von Göttweig die subtile und animierende Reserve der Krustettner Winzerfamilie Müller.

Die Thermenregion und das Westufer des Neusiedlersees haben in diesem Zusammenhang auch einiges zu bieten, weshalb sich mit Zufriedenheit feststellen lässt, dass mittlerweile wohl für jeden Gaumen und Anspruch der entsprechende Zweigelt zu finden sein müsste.

Blaufränker sind eine Bank, Merlots opulent

Allerdings lassen sich abgesehen von diesem Trend kaum Vorteile für eine

bestimmte Rebsorte ableiten. Klar sind die allerbesten Blaufränkischen immer einen Verkostungsschluck wert, wie die untadeligen Kreszenzen der Weingüter Schreiner, Krutzler und Hundsdorfer wieder einmal bewiesen haben.

Allerdings sind manche in ihrer frühen Jugend wegen der dieser Sorte immanenten Eigenschaften gar etwas streng und spröde, sodass sie nicht sofort jenes unbeschwerte Trinkvergnügen bieten, das die meisten Konsumenten mit dieser Preiskategorie verbinden.

Während die reinsortigen Merlots so manches Mal mit einem Übermaß an Alkohol und der damit unvermeidlich einhergehenden Opulenz zu kämpfen hatten – lobenswerte, recht balancierte Ausnahmen waren die rundum empfehlenswerten Exemplare der Weingüter 47er Schwertführer, Iro und Mad –, haben nahezu alle Gewächse, an denen Cabernet beteiligt war, überdurchschnittlich reüssiert.

Einerseits war die nötige Traubenreife 2019 offenbar kein Problem, andererseits erbringt dieser Globetrotter eben zumeist die erforderliche Dichte und Struktur Lobend hervorzuheben sind in diesem Fall die überaus elegante Cuvée Terroir de Pierre von Erika Gisperg, der prägnante wie nuancierte Cabernet Franc von Markus Iro und der mächtige, aber dennoch harmonische Kraftprotz von Günter Triebaumer.

Leichtfüßigkeit kann Opulenz auch trotzen

Bei aller Opulenz kann man Weine eines eher leichtfüßigen und unverblümten Typus hervorheben, die zumeist auf traditionellen österreichischen Sorten wie Blaufränkisch, Zweigelt und Blauer Portugieser basieren und den Gaumen mit ihrer Frische und rassigen Pikanz erfreuten.

Taxfrei könnte man dieses Prädikat etwa dem eingangs erwähnten Zweigelt des Weingutes Müller verleihen, des Weiteren dem idealtypischen Portugieser von Christoph Bauer, dem drahtigen Blaufränkischen des Halbturner Biobetriebes Tischler und allen Weinen des Pulkautaler Produzenten Jordan.

In eine ähnliche Richtung gehen ebenso die Weinviertler Zweigelt der Weingüter Blaha und Fein; dass Attribute wie Charme und Vitalität auch im Burgenland ihre Berechtigung besitzen, zeigen beispielsweise die Zweigelt-Auslegungen von Johannes Münzenrieder aus Apetlon und Hannes Haiden aus Oggau.

Wer hingegen sehr kräftige Tropfen mit ausgeprägtem, doch samtigen Tanninfonds schätzt, wird mit den Kreszenzen von Günter und Regina Triebaumer in Rust, der Familie Mad in Oggau, aber auch der Golser Paradebetriebe von Werner Achs, Markus Iro und Alexander Egermann seine Freude haben.

Zum Glück verschraubt….

Kaum Verbesserungen sind hingegen an der Korkfehler-Front zu konstatieren. Nur gut, dass die allermeisten Weine dieser Preisklasse mit einem Drehverschluss versehen sind.

Die Vinaria Kostjury (Blindverkostung) bildeten Peter Schleimer, Viktor Siegl und Gerhard Heczko.

 

Top List Rotweine 2019 aus Österreich bis 12 Euro (Auszug)

16,9  Weingut Grassl | Rubin Carnuntum Zweigelt
16,8  Bioweingut Schreiner | Blaufränkisch Rodolith
16,7  Günter + Regina Triebaumer | Cabernet Sauvignon
16,6  Günter + Regina Triebaumer | Blaufränkisch
16,6  Johann Gisperg | Terroir de Pierre Exclusiv
16,5  Markus Iro | Cabernet Franc Heideboden
16,5  Norbert Bauer | Zweigelt Haugsdorfer Freiheit
16,4  Weingut Krutzler | Blaufränkisch
16,4  Werner Achs | Goldberg Blauer Zweigelt
16,4  Haus Marienburg – Mad | Zweigelt Ried Neugebirge
16,3  Fam. Strehn | Blaufränkisch Irrgarten
16,2  Weingut Müller | Zweigelt Reserve
16,1  Markus Iro | Merlot Ried Gabarinza
16,1  Haus Marienburg – Mad | Merlot Ried Loisland
16,1  Schwertführer 47er | Merlot Exklusiv
16,0  Norbert Rosner | Zweigelt Reserve
15,9  Weingut Taferner | Carnuntum Cuvée
15,9  Alexander Egermann | Zweigelt
15,9  Weingut Franz Netzl | Rubin Carnuntum Zweigelt
15,9  Johann Gisperg | St. Laurent Exclusiv
15,8  Lukas Hundsdorfer | Blaufränkisch Ried Hochberg
15,8  Weingut Tischler | Blaufränkisch
15,8  Weingut Jordan | Zweigelt Ried Haselparz
15,8  Die Schwertführerinnen | Zweigelt Chapeau
15,8  Weingärtnerei Engelbrecht | Spätburgunder (PN)
15,8  Weingut Schneider | PN Pfaffstättner Ried Tagelsteiner
15,8  Weingut Schneider | SL Tattendorfer Ried Frauenfeld
15,8  Christoph Bauer | Blauer Portugieser

Abo bestellen - Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen und den Winzer-Interviews sowie Fotos finden Sie in der Ausgabe Vinaria 2/2021. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das Jahresabo Vinaria mit 7 Ausgaben pro Jahr inklusive dem großen Weinguide Österreich ist um € 49,00 (EU-Ausland € 65,00) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen

Gernot Schreiner © Weingut Schreiner
Regina und Günter Triebaumer © Steve Haider
Johann Gisperg © Angi Huber
Markus Iro © Weingut Iro
Norbert Bauer © Weingut Norbert Bauer
Melanie und Reinhold Krutzler © Weingut Krutzler
Werner Achs © Weingut Werner Achs
Tobias & Sebastian Siess © MAD - Haus Marienberg
Pia Strehn © Manfred Langer
Stefan und Leopold Müller © Robert Herbst
Anna, Martin und Katharina Schwertführer © Weingut Schwertführer 47er
Stefan und Norbert Rosner © Martin Zorn
Franz Tafener © Weingut Tafener
Martin Netzl © Steve Heider
Hannes und Simone Hiller-Jordan © Weingut Jordan
Georg Schneider © Weingut Schneider
Christoph Bauer © Weingut Bauer
Lukas Hundsdorfer © Weingut Hundsdorfer