Burgundische Impressionen: Vinaria kostete österreichische Top-Chardonnays aus den Jahrgängen 2017 bis 2015. Die Stockerlplätze erkämpften das steirische Vulkanland und die Thermenregion in Niederösterreich.

Chardonnay ist nicht nur die berühmteste weiße Rebsorte der Welt, sie ist auch Quelle einiger der besten und teuersten Weißweine überhaupt: Hierfür allen voran die Einzellagen aus den berühmten burgundischen Appellationen Puligny und Chassagne-Montrachet, Meursault & Co. mit dem legendären Grand Cru Le Montrachet als Speerspitze im Rampenlicht. Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte haben sich Erzeuger aus einigen Herkünften Kaliforniens und Australiens besonders hervorgetan.

Mit 210.000 Hektar Anbaufläche ist Chardonnay die fünfthäufigste Kelterrebsorte der Welt ist, unter den Weißweinen belegt sie gar Platz zwei. In Österreich war Chardonnay lange Zeit kein Thema. Die Sorte wurde im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (als Morillon) in die Steiermark gebracht. In Österreich wurde Chardonnay lange Zeit mit Pinot Blanc in einen Topf geworfen.

Hochgehalten von einer aufstrebenden Generation steirischer Winzer wie Gross, Polz, Sattler und Tement sowie anderen Spezialisten wie Bründlmayer, Kollwentz, Reinisch, Velich und Wieninger, erlangte Morillon beziehungsweise Chardonnay bald Kultstatus. Damals noch mehrheitlich nach malolaktischer Gärung zu 100 Prozent in neuen Barriques ausgebaut, stand die Sorte hierzulande für einen neuen Typ Wein.

Der Höhenflug währte nicht lang, die Begeisterung für holzgeprägte, cremige Weine flaute zusehends ab. Doch hat sich inzwischen in stilistischer Hinsicht einiges geändert – der Anteil an neuen Holzfässern und die Lagerzeit darin wurde vielerorts reduziert, und auch in Sachen malolaktischer Gärung, Lagerung auf der Feinhefe etc. hat es Adaptionen gegeben. Viele Winzer bemühen sich seit Jahren verstärkt um Terroir-Ausdruck und Eleganz.

Lagerweine im Umbruch

Oft wird bei kräftigen Weißweinen – besonders bei Chardonnay/Morillon – auf eine notwendige Reifezeit in der Flasche hingewiesen. Aus diesem Grund nahm Vinaria drei Jahrgänge ins Visier, die zumindest ein paar Jahre auf dem Buckel hatten: 2017, 2016 und 2015. Aus allen drei Jahrgängen kommen kräftige Vertreter – 2017 und 2015 waren heiße, hochreife Jahre, aber auch 2016 kam die Vollreife, wenn auch später.

Den Sieg im hart umkämpften Finale holte sich das Weingut Platzer aus Tieschen mit dem begeisternden Chardonnay Aunberg Reserve 2015. Knapp dahinter folgten zwei Vertreter aus der Thermenregion: die wuchtige, cremige 2016er-Reserve von Leo Aumann aus Tribuswinkel sowie der überraschend elegante 2017er-Lores der Reinisch-Brothers vom Johanneshof in Tattendorf. Gleich hinter Josef Fritz aus Zaussenberg mit der vanilligen Steinberg Große Reserve 2016 folgte der Südsteirer Erwin Sabathi mit seinem messerscharfen Pössnitzberg Alte Reben 2017, der sich für sehr lange Lagerung empfiehlt; ex aequo platzierte sich Toni Hartl mit dem Thenau 2016. Mit Gesellmann, Polz und Wieninger und Gross folgten weitere Top-Spezialisten, dazu der junge Lorenz Alphart aus Traiskirchen.

Robert Platzer über seinem Siegerwein:

“Über Jahrzehnte hat sich herauskristallisiert, dass der Aunberg unsere wichtigste Riede ist. Bemerkenswert ist der höhere Kalkanteil im Boden, von den Meeressedimenten. Dieser bringt im Abgang ein spürbares Gefühl einer Mineralität mit sich. Unsere Reserve-Weine sind immer eine Auswahl der besten Trauben der Riede. Diese werden auch möglichst spät geerntet und vergären eineinhalb Jahre in 300-LiterFässern. Wichtig ist eine möglichst späte Ernte des Chardonnays, damit er seine volle Palette an Aromen präsentieren kann.”
 

Toplist Chardonnay aus Österreich 2017-2015 (Auszug)

17,5   Weingut Platzer | 2015 Chardonnay Aunberg Reserve
17,4   Leo Aumann | 2016 Chardonnay Reserve
17,4   Johanneshof Reinisch | 2017 Chardonnay Lores
17,2   Josef Fritz | 2016 Chardonnay Große Reserve Steinberg
17,1   Toni Hartl | 2016 Chardonnay Thenau
17,1   Erwin Sabathi | 2017 Chardonnay Pössnitzberg Alte Reben
16,9   Weingut Gesellmann | 2016 Chardonnay Steinriegel
16,7   Weingut Polz | 2015 Chardonnay Obegg
16,6   Weingut Wieninger | 2017 Chardonnay Grand Select
16,5   Alphart am Mühlbach | 2017 Chardonnay Reserve
16,5   Josef Fritz | 2015 Chardonnay Große Reserve Steinberg
16,5   Weingut Gross | 2015 Morillon Nussberg „Pretschnigg“
16,5   Erwin Sabathi | 2015 Chardonnay Pössnitzberg Alte Reben
16,4   Weingut Kollwentz | 2015 Chardonnay Gloria
16,4   Ploder-Rosenberg | 2015 Chardonnay Linea
16,4   Weingut Schönberger | 2017 Chardonnay Seeacker
16,3   Alphart am Mühlbach | 2015 Chardonnay Reserve
16,3   MUSTER.gamlitz | 2016 Chardonnay Grubthal
16,3   Weingut Taubenschuss | 2017 Chardonnay Reserve -S-
16,2   Stefan Potzinger | 2015 Morillon Vinothekfüllung
16,2   Weingut Peter Skoff | 2015 Morillon Kranachberg Reserve

 

Abo bestellen - Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen und den Winzer-Interviews sowie Fotos finden Sie in der Ausgabe Vinaria 7/2020. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das Jahresabo Vinaria mit 7 Ausgaben pro Jahr inklusive dem großen Weinguide Österreich ist um € 49,00 (EU-Ausland € 65,00) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen.

Leo Aumann © Christian Husarì
Johannes, Christian und Michael Reinisch vom Johanneshof in Tattendorf. © Julius Hirtzberger
Josef Fritz © Andreas Jakwerth
Erwin Sabathi © Weingut Sabathi
Albert und Silvia Gesellmann © Weingut Gesellmann
Erich Polz junior © Weingut Polz
Lorenz Alphart © Robert Eichinger
Andi und Heidi Kollwentz, umgeben von Kindern und Eltern © Bernhard Angerer
Verkostungssieger: Robert Platzer © Weingut Platzer