Mag die Farbe Rosa in manchen Bereichen Assoziationen an Kitsch und Klischee wecken, so liegt sie im Weinbereich voll im Trend. Befeuert wird die Nachfrage nach pinken Weinen durch die Vielfalt an Stilistiken und Typen. Jüngst widmete sich Vinaria dem etwas kniffligen Jahrgang 2025.

Der großen Nachfrage entsprechend führt mittlerweile fast jeder Qualitätsbetriebs zumindest einen, fallweise auch mehrere Roséweine im Sortiment. Mit Rosalia und Schilcher Weststeiermark gibt es zwei stark von Rosé geprägte – wenn auch in ihren Details grundverschiedene – Herkünfte; und auch im Wagram und in der Wachau sind Rosés, wenn auch in untergeordneter Rolle, Teil der jeweiligen DAC.

Pinke Sortenvielfalt befeuert starke Nachfrage nach Rosés

Von den Sorten her dominiert ganz klar der heimische Zweigelt, der sowohl reinsortig als auch in Cuvées zum Einsatz kommt und durch besonders großzügige Fruchtbeigaben glänzt. Im Burgenland wird Rosé immer häufiger aus Blaufränkisch hergestellt, wobei sich hier die klassischen mittelgewichtigen Varianten durch Rotbeerigkeit und Säurepikanz auszeichnen, die kräftigen Vertreter oft schon viel Samtigkeit mitbringen. 

Hin und wieder werden auch die französischen Edelsorten Cabernet Sauvignon und Merlot für die Roséerzeugung eingesetzt, die dank ihrer Frucht und Säure ebenfalls attraktive und sortentypische Vertreter hervorbringen. Als Sortenrarität und Herkunftswein (Weststeiermark DAC) ist schließlich Schilcher hervorzuheben, den Vinaria in die Roséverkostung integriert. 

Direkt oder gleichgepresst oder Saftabzug

Um nun blassrosa bis prallpinke Erzeugnisse aus blauen Trauben zu produzieren, ist es notwendig, die Verweildauer vom Most auf den farbstoffspendenden und gerbstoffgebenden Schalen zeitlich zu beschränken – ansonsten hätte man einen Rotwein. Dabei kommen in der Regel zwei unterschiedliche Methoden zur Anwendung. 

Bei der Direktpressung werden spezifische Parzellen oder Traubenpartien dezidiert für die Erzeugung von Rosé auserkoren: Die blauen Trauben werden je nach Sorte und Reifezustand meist nach mehreren Stunden oder wenigen Tagen auf der Maische abgepresst und vergoren – Farbe und auch Charakter des entstehenden Weins sind abhängig von der Dauer der Maischestandzeit: Von blassen Pinkys bis tiefrosaroten Varianten von beachtlicher Farbintensität sind alle Varianten möglich. 

Wird der Saft der blauen Trauben ohne Maischestandzeit abgepresst und ohne Schalen vergoren, entstehen fast weiße bis leicht rosastichige Weine, die hierzulande meist unter der Bezeichnung Gleichgepresst oder Weißgepresst laufen, sie sind jedoch eher selten anzutreffen. 

Die häufigere Methode der Roséerzeugung ist das sogenannte Saignée-Verfahren, der Saftabzug – diese Rosés entstehen hier quasi als Nebenprodukt bei der Rotweinherstellung: Dabei stellt der Saftabzug eine durchaus übliche Methode zur „Verdichtung“ gewisser Rotweine dar: Dabei wird üblicherweise nach einem halben Tag bis einigen Tagen bis zu 20 Prozent des Mosts ohne Pressung aus dem Gärbehälter für Rotwein abgezogen und anschließend vinifiziert. Der verbleibende Anteil an Most für den Rotwein profitiert strukturell wie auch substanziell von dem deutlich erhöhten Anteil an Schalen im Verhältnis zur Flüssigkeit.

Die Saignée-Rosés sind meist schlankerer Bauart, frisch und fruchtbetont und als Sommerweine trefflich geeignet, die gepressten Rosés haben in der Regel spürbar mehr Struktur und Körper vorzuweisen. 

Witterung und Reife als Herausforderung im Jahrgang 2025

Positiv an 2025 war jedenfalls der durch kühle Phasen, vor allem im Mai und Juli, gebremste Verlauf des Vegetationsjahres, problematisch das unstete Wetter im September. Zu diesem Zeitpunkt war die volle Ausreifung der Trauben noch nicht gegeben, der Infektionsdruck nahm jedoch zu. Essenziell waren die Wahl des passenden Erntefensters und die flexible Einteilung der Lesetage. 

Bei manchen später reifenden Sorten bestand die größte Herausforderung darin, die Gratwanderung zwischen Erreichen der physiologischen Reife und möglichst früher Lese zu schaffen. Das betraf bei Rosé eben Sorten wie Cabernet, Merlot und Blaufränkisch. Aufgrund des eher späten Jahres sind die Alkoholwerte 2025 merklich niedriger als in den Jahren davor, die Säurewerte meist höher.

Christina Netzl wiederholt ihren Erfolg aus dem Vorjahr

An der Spitze gab es heuer ein Dacapo – zumindest im klassischen Rosébereich: Christina Netzl aus Göttlesbrunn (Carnuntum) wiederholt ihren Erfolg aus dem Vorjahr und erreichte mit ihrem kompakten, köstlich fruchtigen handmade & unfiltered den ersten Rang –allerdings ex aequo mit dem hervorragenden, strukturierten und mineralischen Schilcher Ried Langegg Alte Rebe vom Weingut Weber aus Lestein in der Weststeiermark.

Mit Lex Langmann Schilcher Ried Hochgrail und Lackners Rosé vom Schiefer (ebenfalls reinsortig) folgten zwei weitere ausgezeichnete Vertreter aus der Weststeiermark vor drei fruchtgeschwängerten wie dichten Rosés aus Niederösterreich, in denen alle Bordeauxsorten eine tragende Rolle spielten: Greilingers Rosé Cuvée aus Pinot und Cabernet Sauvignon, Proidls Mercaz aus Merlot, Cabernet und Zweigelt sowie der Wolf im Rosa Schafspelz von Niki Windisch aus Blaufränkisch, Cabernet und Zweigelt. 

Mit Ried Langegg platzierte Langmann einen weiteren Schilcher im Spitzenfeld – vor Johanna Markowitsch konturiertem Mardonna, Steiningers Cabernet Sauvignon sowie Strehns Pia und die Starken Männer, deren knapp dahinter liegender Elephant im Porzellanladen noch ein wenig pubertär wirkte. Langmann trug sich zum dritten Mal in die Topliste ein; ebenso vertreten sind Jauk und Niggas sowie Prieler, Uhler, Schuster, Horvath und der Kollerhof mit ihren klassischen Rosés. Mit jeweils kleinen Abständen folgen jedoch zahlreiche weitere trinkvergnügliche Vertreter.

 

Topliste Rosé & Schilcher aus 2025 gesamt

16,8Weingut Franz Netzl2025 Christina Rosé handmade & unfiltered WL
16,8Weingut Weber2025 Schilcher Ried Langegg Alte Rebe WST
16,7Weingut Lex Langmann2025 Schilcher Ried Hochgrail WST
16,6Weingut Lackner2025 Rosé vom Schiefer ST
16,5Weingut Greilinger 2025 Rosé Cuvée (PN, CS) NÖ
16,3Weingut Familie Proidl2025 Mercaz Rosé Senftenberg NÖ
16,3  Niki Windisch2025 Wolf im Rosa Schafspelz (BF, CS, ZW) NÖ
16,3Weingut Lex Langmann2025 Schilcher Ried Langegg WST
16,2Weingut Markowitsch2025 Mardonna Rosé Ö
16,2Weingut Steininger 2025 Cabernet Sauvignon Rosé NÖ
16,2Weingut Strehn     2025 Pia und die starken Männer BG
16,1Weingut Lex Langmann2025 Schilcher Stainz WST
16,0Weingut Strehn   2025 Elefant im Porzellanladen BG
16,0Weingut Jauk        2025 Schilcher Ried Krass WST
15,9Weingut Prieler      2025 Rosé vom Stein Blaufränkisch BG
15,8Weingärtnerei Uhler        2025 Rosé Monia (PN, ZW, BB) WI
15,8Patrick Niggas       2025 Schilcher Klassik WST
15,7Weingut Familie Schuster2025 Rosé vom Zweigelt WG
15,7Weingut Jürgen Horvath  2025 Rosé Eleni (PN, BF) BG
15,7Weingut Kollerhof Familie Lieleg2025 Zweigelt Rosé ST

 

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Eine ausgezeichnete Performance boten Verena und Stefan Langmann, die gleich drei Schilcher im Spitzenfeld platzierten. © Weingut Langmann
Kontinuität und Klasse bietet Georg Prieler mit seinem Rosé vom Stein. © Weingut Prieler
Johanna Markowitsch konnte mit ihrem coolen Rosé namens Mardonna überzeugen. © Daniel Vereno
Eva und Peter vom Langenloiser Weingut Steininger zählen zur Elite der Rosé-Erzeuger. © Julius Hirtzberger
Frankophiler Rosé-Klassiker mit Tiefgang: Renate und Reinhard Greillingers Pinky aus Pinot und Cabernet. © Astrid Bartl
Ein charaktervoller Zweigelt Rosé aus der Steiermark kommt von der Familie Lieleg vom Kollerhof. © Kollerhof
Christoph Lackner beeindruckte mit seinem komplexen Rosé vom Schiefer aus Blauer Wildbacher. © Weingut Lackner
Monika und Peter Uhler aus Wien brillierten mit ihrem Rosé Monia. © Nancy Horowitz
Definitiv nicht bös ist der köstliche „Wolf im rosa Schafspelz von“ Niki Windisch. © Weingut Windisch
Familie Proidl hat mit ihrem Mercaz Rosé gut lachen (v.l.): Philipp, Andrea, Franz, Raphaela, Isabella und Patrick Proidl. © Weingut Proidl
Christina Netzl zählt zu den erfolgreichsten Winzerinnen Österreichs und schenkt ihren Roséweinen große Aufmerksamkeit. Der Lohn: Zwei Sieger in Folge bei der großen Vinaria Verkostung der besten Roséweine. © Julius Hirtzberger
Einen köstlichen wie günstigen Rosé aus Zweigelt Bio gibt es von Thomas Schuster aus Großriedenthal. © Julius Hirtzberger