Österreichs Rotweinlandschaft präsentiert sich so vielfältig wie nie zuvor. Das regelmäßig hohe Niveau wird durch Jahrgänge mit günstigen Bedingungen weiter gepusht. So glänzte in der großen Vinaria Verkostung der Premium Rotweine der mehrheitlich vertretene 2022er besonders hell.

Wieder mit ihrer Ruster Blaufränkisch-Legende Mariental im Spitzenfeld (v.l.): Gerhard, Stephanie, Claudia und Herbert Triebaumer © Weingut Triebaumer

Die alljährliche Verkostung der Premiumrotweine Österreichs stellt ein Highlight im Degustationszyklus dar. Das Niveau ist schon seit Jahrzehnten hoch, und zahlreiche positive Entwicklungen und Tendenzen haben die Qualität weiter verbessert. Wesentlich dafür ist die Vorreiterrolle der Leitbetriebe, die mit ihren Erfolgen nicht nur zahlreiche ambitionierte Aufsteiger inspiriert haben, sondern auch dem einen oder anderen Skeptiker letztendlich als Vorbild gedient haben und weiter dienen. 

Dynamik der Leitbetriebe hob Niveau stark an

Diese Dynamik hat das Durchschnittsniveau der Premiumrotweine deutlich angehoben. Dadurch wurde das Segment im Bereich von 15 bis 17 Punkten im Lauf der Jahre massiv gestärkt, was zu einer beträchtlichen Ausweitung des Angebots an sehr guten bis ausgezeichneten Rotweinen geführt hat.

Für die jüngste Premiumrotwein-Verkostung waren Weine aus dem jeweils aktuellen Sortiment aus den Jahren 2023 und älter zugelassen, wobei der Löwenanteil von gut 70 Prozent der mehr als 400 Proben aus den Jahrgängen 2023 und 2022 stammte.

Besonders packend war diesmal das Duell der drei jüngsten Jahrgänge – so unterschiedlich sie sich auch präsentieren, ihr aktuelles Qualitätslevel liegt bemerkenswert eng beisammen. Und das ist beeindruckend hoch. Zwar scheint vordergründig das Match an den Jahrgang 2022 zu gehen, doch viele Top-2021er waren bereits im Vorjahr bei der großen Vinaria Verkostung angestellt und eine Reihe von Kultweinen aus 2023 wird erst bei der kommenden Premiumrotwein-Verkostung eingereicht werden. 

Local Heros & International Greats: Blaufränkisch im Rampenlicht

Zum wiederholten Mal stand wieder die Sorte Blaufränkisch im Rampenlicht. Das mittlerweile beständig hohe Qualitätsniveau der Spitzenvertreter ist bemerkenswert und verdient besondere Erwähnung. Drei der vier ersten Plätze werden von Blaufränkisch beansprucht. 

Auch der als Cuvée bezeichnete, den zweiten Platz einnehmende G von Gesellmann besteht zu rund 95 Prozent aus der pannonischen Topsorte. Trotzdem soll das nicht die Leistung der roten Cuvées schmälern, denn einerseits waren die Abstände im erweiterten Spitzenfeld denkbar gering, andererseits stellen die Cuvées die Mehrheit in der Flaschenparade der allerbesten Rotweine Österreichs.

Herzschlagfinale zwischen Gerhard Markowitsch & Albert Gesellmann

Das Duell der Spitzenweine war besonders eng und wurde letztlich in einer zweiten Finalrunde entschieden, in der sich der herausragende Blaufränkisch Bärnreiser 2022 vom Göttlesbrunner Gerhard Markowitsch durchsetzte – umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass es sich um den erst zweiten Jahrgang dieses Weins handelt. 

Im Herzschlagfinale um ein Zehntel nur dahinter war der G 2021 von Albert Gesellmann aus Deutschkreutz, dessen Vorgänger die vorjährige Verkostung gewann und der aufgrund seiner über fast alle Jahrgänge hinweg unfassbar hohen Qualität sicherlich zur Handvoll tatsächlicher Rotweinlegenden Österreichs zu zählen ist. 

Platz 3 ex eaquo an Ernst Triebaumer & Harald Schindler

Eine Riesenüberraschung lieferte Harald Schindler aus Mörbisch mit seinem tiefgründigen Blaufränkisch MMXVIII aus selbigem Hitzejahrgang (2018), der aufgrund der teils ausufernden Üppigkeit seiner Weine nicht immer ganz oben in der Gunst der Weinfachleute steht. Ex-aequo am dritten Platz konnte sich die Blaufränkisch-Legende Ried Marienthal 2022 vom Weingut Ernst Triebaumer aus Rust platzieren. 

Knapp dahinter folgte mit der Reserve 2022 von Philipp Grassl die erste der dominant vertretenen Cuvées. Besonders hervorhebenswert ist auch der verführerische Blaufränkisch Pratschweingarten von Georg Prieler, der im derzeitigen Stadium seine in der betriebsinternen Hierarchie darüber angesetzten Sortenbrüder übertrumpfen konnte. 

René Pöckl holt sich die 2023er-Jahrgangswertung

Als bester 2023er hat sich die Kultcuvée Rêve de Jeunesse vom Mönchhofer René Pöckl hervorgetan, der höchstbewertete Blaufränkisch aus diesem Jahrgang stammt vom südburgenländischen Weingut Krutzler in Gestalt des Perwolff. Als beste Vertreter der autochthonen Sorte Zweigelt hervorzuheben sind der Ried Kirchweingarten von Markowitsch und Schwarz-Rot vom Weingut Schwarz aus Andau, beide aus 2023. Im erweiterten Spitzenfeld gab es eine Phalanx an hervorragenden Rotweinen, die jeweils meist nur durch Zehntelpunkte getrennt waren.

Burgundische Spitzen aus Tattendorf, Wien & Carnuntum

In der stets separat verkosteten Gruppe der burgundischen Sorten, in der Pinot Noir und St. Laurent aufeinandertreffen, gab es etliche erfreuliche Aspekte. Die Sortengruppe der Blauburgunder besticht in den letzten Jahren durch deutlich mehr Homogenität. Allzu holzbeladene, tanningeprägte oder alkoholschwere Weine sind heute in der Minderheit.

Während bei den 2023ern die St. Laurents eindeutig dominierten, gab es bei den Reserven einen ebenso klaren Überhang an Pinot Noirs in der Topliste. Den Spitzenrang beanspruchte heuer der Pinot Noir Ried Rosenberg 2022 vom Weingut Auer aus Tattendorf vor dem überraschend tollen St. Laurent Frauenfeld 2023 vom Ortskollegen Weingut Reinisch. Beeindruckt haben auch die Rieden-Pinots vom Weingut Reinisch sowie das Wiener Weingut Wieninger mit dem neuen Rieden-Pinot Rothen und Philipp Grassl mit St. Laurent Reserve.

 

Topliste Gesamt

18,5Gerhard Markowitsch2022 BF Bärnreiser CA
18,4Weingut Gesellmann2021 G BG
18,2Harald Schindler2018 BF MMXVIII BG
18,2Ernst Triebaumer         2022 BF Mariental BG
18,0Weingut Grassl2022 Reserve NÖ
17,9Weingut Prieler             2022 BF Pratschweingarten LB
17,8Weingut Pöckl2023 Rêve de Jeunesse BG
17,6Familie Auer2022 PN Rosenberg TH
17,6Bio-Weingut Ettl           2023 Grande Reserve III BG
17,6Bioweingut Schreiner2023 Perfekte Welle BG
17,6Weingut Gager2022 Tycoon BG
17,6Weingut Kerschbaum2021 Cuvée Kerschbaum BG
17,6A & H Nittnaus2021 Comondor BG
17,5Familie Reinisch        2023 SL Frauenfeld TH
17,5Weingut Prieler                2022 BF Goldberg LB
17,5Weingut Kollwentz     2021 Steinzeiler BG
17,4Weingut Gager2022 BF BFG BG
17,4Franz Schindler  2021 Grande Cuvée d'Or BG
17,4Werner Achs    2023 Xur BG
17,4Weingut Grassl            2023 Bärnreiser Höflein CA
17,4Gerhard Markowitsch2023 Rosenberg CA
17,4Bayer – In Signo Leonis              2022 In Signo Leonis BG
17,4Weingut Netzl2021 Privat Cuvée CA
17,3Familie Reinisch        2021 PN Kästenbaum TH
17,3Weingut Krutzler            2023 BF Perwolff BG
17,3Weingut Kollwentz         2021 Blaufränkisch Point BG
17,3Weingut Prieler             2022 BF Marienthal Oggau LB
17,3Follner2018 CS Reserve Fass 9 BG

 

 

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Günter und Regina Triebaumer beeindruckten mit ihrer Palette an roten Charakterweinen aus Rust. © Steve Haider
Franz „Ferry“ Schindler aus Mörbisch landete mit Grande Cuvée d‘Or im Spitzenfeld. © Weingut Franz Schindler
Harald Schindler © Ossi Halwax
Blaufränkisch-Versteher: Georg Prieler brillierte mit seinen drei Riedenweinen, die Sensation lieferte Pratschweingarten. © Weingut Prieler
Der Deutschkreuzer Meisterwinzer Albert Gesellmann ist abonniert auf Stockerlplätze bei großen Verkostungen. Sein Kraftlackel G ist meist eine Bank, läuft aber erst Jahre später zur Ausnahmeform auf – die er dann für Jahrzehnte behalten kann. © Weingut Gesellmann
Seewinkler Bio-Winzer mit exzellenten Rotweinen: Christian und Michael Ettl aus Podersdorf begeisterten nicht nur mit Grande Reserve III. © Weingut Ettl
Eine „Perfekte Welle“ zu einem sensationellen Preis gibt es im Bioweingut Schreiner (v.l.): Victoria und Gernot mit Kindern Joachim, Vinzenz und Severin Schreiner. © Philipp Allmaier
Familie Gager aus Deutschkreutz punktete mit Blaufränkisch BFG und Tycoon. © Weingut Gager
Familienweingut Schwertführer „35“ (v.l.): Johann und Christine, Kerstin, Friederike und Sigrid sowie Max und Andrea mit Sohn Cornel © Weingut Schwertführer
Top-Winzer aus Horitschon: Stephanie und Michael Kerschbaum mit Eltern Gabriele und Paul © Weingut Kerschbaum
Seit fast vier Jahrzehnten Rotweinpionier und Wegbereiter: Hans „John“ Nittnaus mit seiner Frau Anita © Julia Geiter
Klassewinzer aus Gols: Der Golser Marus Iro mit Gemahlin Ingrid © Steve Haider
Clemens und Reinhold Krutzler hielten mit Perwolff die Fahne des Eisenbergs hoch. © Weingut Krutzler
Weinviertler Erfolgswinzer mit Familie: Niki Windisch mit Partnerin Marina Brunner sowie Kindern Paul und Emma © Weingut Windisch
Superstar René Pöckl aus Mönchhof bringt die Formel für seine legendäre Cuvée Rêve de Jeunesse auf den Punkt: Vom Syrah kommt die Würze, der Zweigelt bringt die Frucht, der Merlot den Charme und der Cabernet Sauvignon die Struktur. © Steve Haider
Aufsteiger Martin Reinfeld wusste mit seinen Schützner Kreszenzen zu überzeugen. © Weingut Reinfeld
Mit Steinzeiler zum Erfolg: Andi und Heidi Kollwentz mit Töchtern Christina und Barbara (li) sowie Eva Maria Kollwentz © Weingut Kollwentz
Patrick Bayer setzte mit In Signo Leonis 2022 die Erfolgsgeschichte des Neckenmarkter Kultweins fort. © Monika Jungwirth
Werner Achs konnte heuer mit seiner Cuvée Xur besonders beeindrucken. © Weingut Achs
Christina Artner-Netzl vom Göttlesbrunner Weingut Netzl beeindruckte mit der Cuvée Privat 2021. © Julius Hirtzberger
Lukas und Matthias Auer landeten mit ihrem Rieden-Pinot aus der Lage Rosenberg einen Volltreffer. © Weingut Auer
Familie Reinisch ist seit Jahren die Referenz in Sachen Pinot und St. Laurent (v.l.): Christian, Sebastian, Thomas, Michael und Hannes Reinisch. © Julius Hirtzberger
Gerhard Markowitsch © Mirco Taliercio
Philipp Grassl aus Göttlesbrunn überzeugte mit Reserve ebenso wie mit Carnuntum Cuvée Bärnreiser. © Weingut Philipp Grassl