Österreichs Rotweinwinzer konnten noch nie so aus dem Vollen schöpfen wie in den vergangenen sechs Jahren. Dementsprechend brilliert haben in der jüngsten Vinaria Verkostung die Rotweine aus den beiden vollreifen Jahrgängen 2018 und 2019.

Die Crème de la Crème, also die besten 25 Weine, hat ganz ähnliche Bewertungen erreicht wie schon im vorigen Jahr. Bereits nach der erstmaligen Verkostung der gesamten wie immer sehr umfangreichen Degustationsstrecke konnte man aber den Eindruck gewinnen, dass die meisten Fortschritte etwa im Bereich zwischen 15,5 und 17 Punkten gelungen sind.

Von der Güte der 2017er, die aufgrund ihrer Dichte, Eleganz und Strahlkraft, ja der ihnen immanenten Balance der Inhaltsstoffe nun wohl endgültig als beste Rotweine seit 2011 einzustufen sind, war schon des Öfteren die Rede.  Auf dem aktuellen Prüfstand befand sich nunmehr das Gros der 2018er Top-Weine. Auf der Habenseite stehen sicherlich die hohe Traubenreife und die perfekt integrierten, samtigen Tannine, während sich die zumeist nur mittlere Dichte, die nicht mit den hohen Alkoholwerten korreliert und die Weine dann etwas weitmaschig, manchmal auch relativ kurz erscheinen lässt, als häufigster Kritikpunkt erwiesen hat.

John Nittnaus & Philpp Grassl

Dennoch war im Großen und Ganzen eine zufriedenstellende Harmonie zu erreichen, und gerade die besseren Blaufränkischen erschienen auch keineswegs weich oder säurearm. Und all diese Erwägungen gelten selbstverständlich nicht für die allerbesten Exemplare von 2018, denn einem Jungenberg-Blaufränkischen von „John“ Nittnaus, einer Bärnreiser Reserve von Philipp Grassl oder dem Bordeaux-Blend von ET fehlt kein einziges Steinchen zum Mosaik eines exzellenten Rotweines.

Zahlreiche schöne Geschmackserlebnisse bescherten die 2019er Rotweine, von denen vorerst vor allem die Ortsweine und weniger bekannten Lagen eingereicht wurden. Dennoch haben bereits viele von ihnen mit messerscharf definierter Struktur, glasklaren Fruchtaromen und hoher Rasse brilliert. Zweifellos zeichnet sich ein Rotweinjahr ab, in dem auch die leichteren Versionen viel Trinkvergnügen bereiten können.

Von elegant balanciert bis mächtig massiv

Was die Bandbreite der Rotweinstile betrifft, finden sich an der Spitze sowohl elegante und balancierte Gewächse wie beispielsweise jene der Weingüter Nittnaus, Grassl, Krutzler oder Kollwentz als auch so massive, mächtige Kreszenzen wie etwa jene aus den Kellern von René Pöckl, Silvia Heinrich, Josef Gager und Leopold Aumann, denen man den hohen Alkoholgehalt aufgrund ihrer Dichte und ihres Temperaments, ja ihrer Ausgewogenheit in keiner Phase anmerkt.

Noch recht strenge, in ihrer Adoleszenz von Säure und Tannin gekennzeichnete Versionen auf hohem Niveau haben wieder einmal Albert Gesellmann, Ludwig Follner und zum Teil Ernst Triebaumer präsentiert.

Es erfreut auch geübte Juroren jedes Mal, einen Rotwein sofort einer bestimmten Herkunft zuordnen zu können, wie es beispielsweise mit dem Pannobile von Nittnaus, den Lutzmannsburger Blaufränkischen von Schiefer und Weber, dem Perwolff von Krutzler und einigen der besten Carnuntiner Rotweinen der Fall war. Einen gewissen Stil des Hauses haben ja mittlerweile so gut wie alle zuvor apostrophierten Spitzenbetriebe entwickelt.

Zwei Cuvées an der Spitze

Mit den Top-Weinen von Philipp Grassl und René Pöckl belegen zwei Cuvées absolute Spitzenplätze, und nur kurz dahinter finden sich etwa ex aequo die Bordeaux-Blends von Silvia Heinrich und Ernst Triebaumer. Im Gesamtbild gilt allerdings „same procedure as every year“. Ebenfalls besonders würdigen sollte man die herausragende Performance des Kirchweingarten von Gerhard Markowitsch, wohl einer der allerbesten reinsortigen Zweigelt der jüngsten Jahre überhaupt.

Überraschungen bei den Burgundischen

Insgesamt ergab die immerhin mit rund 90 Proben bestückte Verkostung der Burgunder-Sorten im weiteren Sinne – Pinot Noir und St. Laurent – ein nicht gänzlich unähnliches Bild wie die vorangegangenen Verkostungen dieser Gruppe: So zeigten sich die St. Laurents insgesamt deutlich homogener und setzten wie in der Vergangenheit vor allem dank der überwiegend frischen, oft von Weichseln und Dunkelbeeren geprägten Frucht sowie der pikanten Säure positive Akzente.

Wenig überraschend, waren im zwei Dutzend Weine starken Finale wieder einmal mehr St. Laurents als Burgunder vertreten. Jene Pinots allerdings, die dort vertreten waren, präsentierten sich fast durchwegs überraschend stark – mit Charakter und Persönlichkeit, Struktur und guter Länge.

Gerhard Markowitsch & Philpp Grassl

Bester Wein der Gruppe war – längst nicht zum ersten Mal – die Pinot Noir Reserve 2019 von Gerhard Markowitsch, gleich dahinter Freund und Fast-Nachbar Philipp Grassl, der nicht nur mit St. Laurent Alte Reben, sondern heuer auch mit 2019 Pinot Noir brillierte – ebenso wie der Johanneshof Reinisch, der wiederum eine beeindruckende Leistungsschau der beiden Sorten in verschiedenen Varianten bot.

Andere Spezialisten aus der sortenaffinen Thermenregion waren ebenfalls im Spitzenfeld: allen voran Leopold Auer, Johann Gisperg und Bernhard Schneider von den Burgundermachern. Wiens Fahne hielt schließlich Fritz Wieninger hoch. Ganz vorne mit dabei auch ein paar Neusiedlersee-Betriebe: als Überraschung Schaller vom See mit Laurent Uferlos 2019 sowie Gebietskollege Markus Iro mit beiden Sorten und Pepi Umathum mit Sankt Laurent Vom Stein. In der filigranen Abteilung konnte Umathum mit seinen beiden Pinots ebenso wie die Domäne Wachau (PN) und Schloss Gobelsburg (SL) überzeugen.

Korfehler: Nicht am falschen Platz sparen!

Aufgrund von Korkfehlern werden Sie, liebe Leser, wieder einmal einige namhafte, durchaus chancenreiche Gewächse vermissen. In den Finaldegustationen erwiesen sich leider rund 20 Prozent der Weine als korkig. Aufgrund dieser Umstände sei erneut an die Winzer appelliert, bei der Auswahl des Korkmaterials nicht am falschen Platz zu sparen und Reklamationen ernst zu nehmen.

Topliste Rotweine Premium  Österreich Gesamtwertung (Auszug)

18,5     Anita und Hans Nittnaus     2018 Ried Jungenberg Jois Blaufränkisch LB
18,3     Weingut Grassl                        2018  Ried Bärnreiser Reserve 1ÖTW CA
18,2     René und Eva Pöckl               2019 Admiral BG
18,1     Weingut Krutzler                    2019 Perwolff  Blaufränkisch BG
18,0     Ernst Triebaumer                   2018 Cabernet-Merlot BG
18,0     Weingut Kollwentz                 2017 Ried Point Blaufränkisch BG
18,0     Weingut Heinrich                   2017 Elegy (CS/ME) BESTE GRÜßE
17,9     Weingut schiefer.pur             2018 Lutz Blaufränkisch Lutzmannsburg v.v. BG
17,8     Weingut Paul Achs                 2018 Ried Golser Altenberg Blaufränkisch BG
17,8     Gernot Heinrich                      2016 Salzberg BESTE GRÜßE
17,8     Gerhard Markowitsch            2019 PN Reserve NÖ
17,7     Paul Achs                                  2019 Ried Ungerberg Blaufränkisch BG
17,7     Weingut In Signo Leonis       2018 In Signo Sagittarii-Patrick Bayer Blaufränkisch BG
17,7     Weingut Gesellmann             2017 „G“ BG
17,7     Gerhard Markowitsch            2019 Ried Rosenberg 1ÖTW CA
17,7     Gerhard Markowitsch            2019 Ried Kirchweingarten Höflein 1ÖTW Zweigelt CA
17,6     AmSee Pirker Preisinger       2017 BF V36 BG
17,5     Anita und Hans Nittnaus      2019 Ried Lange Ohn Neusiedl Blaufränkisch LB
17,5     Weinmanufaktur Follner      2018 Freude pur Blaufränkisch Ried Ritter BG
17,5     Weingut Prieler                       2018 Ried Goldberg Blaufränkisch BG
17,5     Weingut Gager                         2018 Blaufränkisch Ried Mitterberg Reserve MB
17,5     Weingut Schwarz                     2019 Schwarz-Rot (ZW) BG
17,5     Philipp Grassl                           2019 SL Alte Reben NÖ
17,5     Weingut Gager                         2019 Cablot (CS/ME/CF) BG

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Silvia Heinrich © Mili Badic
Die Schwertführerinnen: Sigrid und Kerstin (v.l.) © Adrian Almasan
Heike und Gernot Heinrich © Weingut Heinrich
Christian, Johannes und Michael Reinisch vom Johanneshof Reinisch © Julius Hirtzberger
Andi und Anton Kollwentz © Bernhard Angerer
Franz Pirker vom Weingut Amsee © Jens August
Alexander Egermann © Steve Haider
Johann Gisperg © Weingut Johann Gisperg
Georg und Ingrid Schneider © Anna Stöcher
Konstantin, Francesca, Silvia und Albert Gesellmann © Weingut Gesellmann
Heribert Bayer, Katja Bernegger und Patrick Bayer (v.l.) © Rainer Mirau
Herbert und Gerhard vom Weingut Ernst Triebaumer © Weingut Ernst Triebaumer
Helga und Erhard Brunner vom Arkadenhof © Arkadenhof Mandl-Brunner
Gerhard Markowitsch © Stephan Joham
Helmut und Günther Weber © Peter Rozsenich
Melanie und Reinhold Krutzler © Michael Königshofer
Paul Achs © Roland Unger
René Pöckl © Steve Haider