Puristisch und exzellent: Die große Vinaria Verkostung der Premium Rieslinge 2021 aus Österreich bot ein Feuerwerk an Frucht, Struktur und Aromen.

Johannes Hirsch © Weingut Hirsch

Nach einigen Wendungen der Witterung hat der unglaublich schöne und konstante Herbst 2021 zu brillanten Rieslingen geführt, wie es sie in dieser Form schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hatte. Prägend für die Weine sind eine kristallklare Frucht und die ungemein rassige Säurestruktur, die die Rieslinge von den beiden Top-Jahren 2019 und 2017 unterscheidet.

Alles in allem bieten sie ein Feuerwerk von dezenten Aromen, das sich auch in entsprechend hohen Bewertungen bei Österreichs größter Riesling Verkostung niedergeschlagen hat.

Keine Botrytis und alle Zutaten für langes Wein-Leben

Der wunderbare Herbst hatte ganze Arbeit geleistet und offenbar auch die letzten Pilznester austrocknen lassen, sodass Botrytis und andere Fäulnis-Erscheinungen kein Thema waren. So glockenklar wie im Vorjahr präsentierten sich die Fruchtaromen zuletzt vielleicht im Jahr 1997, aber das war doch eine andere Ära.

Aktuell sind die Rieslinge von kristallklaren, aber dezenten Aromen geprägt, die zwar stets deutlich zum Vorschein kommen, jedoch nie allzu blumig oder aufdringlich erscheinen. Häufig finden sich Assoziationen mit weißen und gelben Pfirsichen, Marillen, Maracuja, Stachelbeeren und diversen Blütenduften sowie Zitronenmelisse, Limette, Grapefruit und Agrumen im Allgemeinen.

Aufgrund der hohen Mostgewichte sind die Weine durchwegs ausgereift und besitzen beinahe ähnliche Alkoholwerte wie 2019, wenn dies auch wegen der deutlich höheren Säure nicht so erscheinen mag. Die guten Rieslinge eine konstante Entwicklung und ein langes Leben vor sich haben.

Erfreuliche Breite, phänomenale Spitze

Bemerkenswert, weil selten zutreffend ist auch die Tatsache, dass sich die höchst positiven Merkmale des Jahrgangs auf alle österreichischen Weinbaugebiete zu erstrecken scheinen, wenn auch noch so gut wie keine steirischen und nur wenige Wiener Rieslinge von 2021 zur Verfügung standen.

Die im Durchschnitt vergebenen Punkte haben Höhen erreicht, wie dies nie zuvor der Fall war. Viele Weine, die bisher eher im Mittelfeld gelegen waren, haben diesmal die 16,5-Punkte-Schwelle geradezu mühelos überschritten, und auch die Anzahl der Wertungen knapp unter 17,5 Punkten, war durchaus beachtlich.

Wachauer Jahrgang der Extraklasse

Ganz an der Spitze haben sich wahrhaft fulminante Gewächse versammeltet, die völlig zu Recht selten hohe Wertungen erhielten. Von den österreichischen Riesling-Hochburgen hat die Wachau in besonderer Weise reüssiert – ohne jeden Botrytis-Einfluss und mit klar strukturierten, zuweilen fast kühl anmutenden Aromen war das einfach ein Wachauer Jahrgang der Extraklasse.

Die Kamptaler Top-Lagen, allen voran die hocheleganten wie rassigen Heiligensteiner, haben ebenfalls auf breiter Front überzeugt. Vom recht unterschiedlichen Weinbaugebiet Kremstal kam gleich ein halbes Dutzend hervorragender Kreszenzen. Eine Lanze für die besten Wiener Rieslinge aus kalkreichen Herkünften hat Vinaria schon öfters gebrochen.

Franz Leth ist als Wagramer Pionier zu seinem spektakulären Brunnthal vom tiefen Lössboden zu beglückwünschen. Festzustellen bleibt, dass sich auch die besten Weinviertler aus dieser Rebsorte auf bestem Weg befinden, beispielsweise die Weingüter Stift, Stefan Pratsch, Hindler und die Fürst Liechtenstein’sche Hofkellerei. 

2020er & 2019er Rieslinge schlugen sich gut

Wie ist es eigentlich den wenigen 2020ern ergangen, die diesmal noch auf dem Prüfstand waren? Naturgemäß hatten sie es nicht gerade leicht, sie haben sich aber recht tapfer geschlagen. Allen voran drei Ausnahmeweine in Gestalt der Alten Reben vom Heiligenstein des Weingutes Bründlmayer, des Salonsiegers Kalkstein Ried Sätzen von Michael Edlmoser und des Heiligenstein Rieslings von Schloß Gobelsburg, der ja seit zwei Jahren immer erst nach einiger Lagerung auf den Markt kommt.

Für positive Überraschungen sorgten weiters der überaus saftige und charmante Gaisberg des Straßer Erzeugers Weixelbaum, der auch den einzigen 2019er ins Rennen geschickt hat, und der recht schneidige, eben erst auftauende Hackenberg „Julia“ des Wiener Vorzeigebetriebes Kroiss.

Rotfels von Hannes Hirsch erobert die Spitze

An der absoluten Spitze der Verkostung platzierten sich sehr unterschiedliche, doch allesamt brillante Rieslinge. Angefangen mit dem durch bestechendes Fruchtspiel und enorme Expression prunkenden Rotfels aus der Hand von Hannes Hirsch, einer heuer erstmals gesondert ausgebauten Parzelle des Heiligenstein.

Weiters dem mit unübertrefflicher Finesse überzeugenden Hirtzberger’schen Singerriedel, der eventuell sogar die legendären 1999er und 2007er in den Schatten stellen könnte. Und dem kristallklaren, wie gemeißelt erscheinenden Weißen Marmor, mit dem der Wiener Paradebetrieb Mayer am Pfarrplatz vielleicht sogar ein neues Nussberger Kapitel aufgeschlagen hat.

Unübertrefflicher Singerriedel, kristallklarer Weißer Marmor

Dazu präsentiert sich eine Riege von Weinen im Weltklasse-Format Im Besonderen gilt dies für den geschliffenen und feinstrahligen Steinriegl des Jochinger Weingutes Schmelz, den mit kühler Eleganz und komplexem Fruchtspiel punktenden Ried Klaus von Toni Bodenstein. Sowie den seine Stachelbeeraromen so intensiv und nobel wie selten ins Glas zaubernden Dürnsteiner Schütt von Emmerich Knoll, der auch seine renommierten Lagen so gut wie kaum je zuvor ins rechte Licht rückten.

Knoll, Prager, Schmelz, Gritsch, Bründlmayer, Brandl

In nahezu gleicher Weise brillierten auch die nach und nach ihre Aromavielfalt und Nuancen offenbarende Pfaffenberg Selection von Knoll, der hochfeine wie komplexe, ebenfalls noch ein wenig zurückhaltende „normale“ Heiligenstein von Bründlmayer. Weiters die messerscharf definierte, sehr rassige Heiligenstein-Version von Günther Brandl, der vor Frucht übergehende und dennoch zartgliedrige Marthal-Riesling von Silke Mayr.

Zu dieser Phalanx zählt auch die aus der legendären Lage innerhalb der Dürnsteiner Burgmauern stammende, ruhig strömende und ihre Fruchtakzente bereits in der frühen Jugend ausspielende Reserve, die Franz Josef Gritsch in seinem Spitzer Modellkeller ausbaut. All diese Weine waren nur durch Nuancen getrennt, sodass es äußerst schwer gefallen ist, diese minimalen Differenzen in Punkten auszudrücken.

Zur Degustation

Zur großen Vinaria Verkostung kamen trockene Rieslinge der Vorjahre, die noch im Verkauf stehen; Fassproben waren nicht zugelassen. Sämtliche Weine wurden wie immer gedeckt degustiert. Für Vinaria verkostet haben Erwin Goldfuss, Gerhard Heczko, Karl Kohl, Hans Pleininger, Peter Schleimer, Uwe Schögl und Viktor Siegl.

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TOP Liste

19,0 Weingut Hirsch 2021 Ried Heiligenstein Rotfels 1ÖTW KA
18,8 Weingut Hirtzberger 2021 Ried Singerriedel Smaragd WA
18,7 Mayer am Pfarrplatz 2021 Nussberg Weißer Marmor WI
18,6 Weingut Schmelz 2021 Ried Steinriegl Smaragd WA
18,4 Weingut Knoll 2021 Ried Schütt Smaragd WA
18,4 Weingut Prager

2021 Ried Klaus Smaragd WA

18,1 Weingut Bründlmayer 2021 Ried Heiligenstein 1ÖTW KA
18,1 Weingut Knoll 2021 Ried Pfaffenberg Selection Stein WA
18,0 Weingut Brandl 2021 Ried Zöbinger Heiligenstein 1ÖTW KA-R
17,9 F.J. Gritsch & G. Thiery – kalmuck Wachau 2021 Ried Dürnsteiner Burg Reserve WA
17,9 Vorspannhof Mayr 2021 Ried Marthal Krems 1ÖTW KR-R
17,9 Weingut Prager 2021 Wachstum Bodenstein Smaragd WA
17,8 Domäne Wachau 2021 Ried Kellerberg Smaragd WA
17,8 Gerhard Deim 2021 Ried Schönberger Irbling KA
17,8 Weingut Proidl 2021 Ried Ehrenfels 1ÖTW KR-R
17,7 Weingut Allram 2021 Ried Zöbinger Gaisberg KA
17,7 Weingut Lagler 2021 Ried Steinporz Smaragd WA
17,6 F.J. Gritsch 2021 Ried Kalkofen Smaragd WA
17,6 Weingut Alzinger 2021 Ried Loibenberg Smaragd WA
17,6 Weingut Bründlmayer 2020 Ried Zöbinger Heiligenstein Alte Reben 1ÖTW KA
17,5 Wein-Gut Nigl 2021 Ried Hochäcker Privat 1ÖTW KR-R

Best Buy bis € 16

17,8 Gerhard Deim 2021 Ried Schönberger Irbling KA € 14,80
16,9 Erich Bayer 2021 Ried Ralais Smaragd WA € 12,00
16,9 Winzerhof Stift 2021 Riesling vom Urgestein NÖ € 9,40
16,8 Weingut Konrad 2021 RI Ried Loibenberg Smaragd WA € 16,00
16,6 Hermenegild Mang 2021 Ried Dürnsteiner Lichtensteinerin  Smaragd WA € 15,00
16,5 Weingut Burgstaller 2021 Riesling vom Urgestein Ried Zöbinger Heiligenstein KA € 12,90
16,4 Weingut am Berg-Michael Gruber 2021 Ried Langenloiser Steinhaus KA € 14,50
16,4 Weingut Ernst 2021 Selection Ried Steinberg NÖ € 10,80
16,4 Weingut Gruber 2021 Ried Königsberg NÖ € 12,60
16,4 Mayer am Pfarrplatz 2021 Ried Alsegg Hernals WI € 12,00
16,3 Leo Aumann 2021 Ried Hofbreite Gumpoldskirchen TH € 11,90
16,3 Stefan Pratsch 2021 Ried Heiligenberg NÖ € 9,00
16,3 Weingut Kolkmann 2021 Ried Fumberg WG € 9,40
16,2 Weingut Weixelbaum 2021 Ried Achleiten Smaragd WA € 14,50
16,2 Weingut Eder 2019 Riesling Ried Silberbichl Smaragd WA € 14,00

TOP Rieslinge 2020

17,6 Weingut Bründlmayer

2020 Ried Zöbinger Heiligenstein Alte Reben ÖTW KA

17,4 Weingut Edlmoser

2020 Kalkstein Ried Sätzen Maurerberg 1ÖTW WI

17,3 Schloss Gobelsburg

2020 Ried Heiligenstein 1ÖTW KA

17,1 Weingut Weixelbaum 2020 Ried Gaisberg 1ÖTW KA
17,0 Weingut Kroiss 2020 Ried Hackenbergf „Julia“ WI
16,9 Weingut Wohlmuth 2020 RI Ried Edelschuh GSTK SST
16,6 Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein 2020 Riesling Privat Ried Karlsberg NÖ
16,5 Weingut Müller 2020 Ried Seindl VL
16,5 Weingut Weixelbaum 2019 Ried Kammerner Renner KA-R
16,4 Weingut Allram 2020 RI Ried Heiligenstein 1ÖTW KA
16,4 Weingut Steininger 2020 RI Ried Kogelberg KA

16,4

Petra Unger 2020 Hinters Kirchl Stein KR-R

 

Franz G. Hirtzberger im Spitzer Keller © Raphael Gabauer
Gerhard Lobner vom Weingut Mayer am Pfarrplatz © Steve Haider
Thomas Schmelz © Michael Parak
Zwei Generationen Knoll: Emmerich und Monika mit Söhnen August und Emmerich H. Knoll © Weingut Knoll
V.l.: Robert Bodenstein und Sophie-Helen Hinterhölzl mit Ilse und Toni Bodenstein vom Weingut Prager © Ralph Darabos
Thomas Klinger, Willi und Edwige Bründlmayer, Andreas Wickhoff am Zöbinger Heiligenstein. © Anna Stöcher
Petra, Stefan und Günther Brandl © Weingut Brandl
Franz-Josef Gritsch aus Spitz © Ian Ehm
Gerhard Deim © Weingut Deim
Franz-Joseph, Franz und Regina Stift © Martin Lifka
Erich Bayer © Weingut Erich Bayer
Harald Ernst © Friedl
Alexander Mang © Ivan Lukačić
Manfred Konrad © Guenter Kargl
Silke Mayr (Mitte, sitzend) mit Kellermeister Michael Nastl zur Linken umgeben vom Team des Vorspannhof Mayr in Dross. © Klaus Vyhnalek
Heinz Frischengruber und Roman Horvath von der Domäne Wachau © Domäne Wachau | Christine Wurnig
Isabella und Patrick Proidl auf der Ruine Senftenberg © Edwin Dullinger | art74.at
Lorenz Haas-Allram aus Strass © Julius Hirtzberger
Karl Lagler auf seinem Quad © Andrea Plech
Katharina und Leo Alzinger © Friedl und Schmatz
Topwinzer Martin Nigl © Wein-Gut Nigl